Zum Gedenktag des heiligen Eugen von Mazenod blickt Pater Eugene Benedict OMI, Generalrat für die Region Asien-Ozeanien, auf das Leben und Sterben des Stifters zurück. Im Mittelpunkt stehen seine tiefe Hingabe an Gottes Willen, sein Segen für die Oblaten und seine letzten Worte an seine geistlichen Söhne.
Sein Vermächtnis bleibt hochaktuell: Untereinander Liebe zu üben und nach außen mit Eifer für das Heil der Menschen zu wirken. Gerade heute ermutigt seine Botschaft dazu, als „Pilger der Hoffnung“ mutig neue Wege zu gehen, Gemeinschaft zu erneuern und den Armen und Verlassensten nahe zu sein.
Der Brief von Pater Eugene Benedict OMI
Meine lieben Mitbrüder und Mitglieder unserer charismatischen Familie!
Anlässlich des himmlischen Heimgangs (Sterbetag) unseres geliebten Vaters und Stifters Eugen von Mazenod möchte ich die letzten 36 Stunden seines Lebens sowie die Segnungen und Botschaften mit Euch teilen, die er uns, seinen Söhnen, hinterlassen hat. Auch Gedanken dreier Päpste über unseren Stifter an, können uns aufzeigen, wie unser Leben als Oblaten beschaffen sein sollte.
Papst Pius XI. nannte uns „Spezialisten für schwierige Missionen“. Am Tag seiner Heiligsprechung beschrieb Papst Johannes Paul II. den Stifter als „einen Mann des Advents, gehorsam dem Heiligen Geist beim Lesen der Zeichen der Zeit und bei der Unterstützung des Werkes Gottes in der Geschichte der Kirche.“ In seiner Ansprache zum 36. Generalkapitel sagte Papst Franziskus: „Der Stifter war ein Mann, der Jesus leidenschaftlich liebte und die Kirche bedingungslos. Diese Eigenschaften sind in euch, seinen Söhnen, vorhanden.“
Vorbereitung auf den Tod:
Pater Tempier teilte Bischof Eugen von Mazenod an dessen Sterbebett mit, dass jede Hoffnung verloren sei, die Medikamente wirkungslos blieben und er dem Herrn nun das Opfer seines Lebens darbringen und sich auf den Tod vorbereiten solle. Sogleich faltete der Bischof die Hände und brachte Gott, erfüllt von tiefem Glauben und großer Weitherzigkeit, das Opfer seines Lebens dar mit allem, was er auf Erden zurückließ. Erfüllt von einer unbändigen Freude, zögerte er keinen Augenblick, nur noch an den Tod zu denken und erneuerte unaufhörlich seinen Akt der Hingabe an den göttlichen Willen.
Gottes Wille:
Sterbend verkündete der hl. Eugen: „Ich will nur eines: dass der heilige Wille Gottes geschehe.“ Sogleich nahm er sein Kreuz in die eine und seinen Rosenkranz in die andere Hand, und weder das Kreuz noch den Rosenkranz ließ er auch nur für einen Augenblick während seines Hinscheidens los.
Das Gebet der Hingabe:
Tempier schreibt: „Einer von uns zitierte laut das traditionelle Gebet der Hingabe. Der Bischof lauschte und wiederholte mit unbeschreiblichem Glück jene Worte, mit denen er sich einst dem Herrn geweiht hatte – Worte, die all seine Söhne gesprochen hatten, als sie sich ihrerseits jener Kongregation weihten, deren Vater und Gründer er war.“
Der Segen:
Tempier fährt fort: „‚Bischof‘, sagte einer von uns, ‚bitte segnen Sie all Ihre Oblaten.‘“ „Oh! Ja!“, rief Eugen aus. Und seine kraftlos werdenden Hände erhoben sich voller Liebe mit einem unbeschreiblichen Blick gen Himmel, um von dort den kostbaren Segen zu empfangen. Dann senkte er die Hände, ergriff das Oblatenkreuz und segnete all seine Söhne mit dem Kruzifix, indem er das Kreuzzeichen in die verschiedenen Himmelsrichtungen schlug.
Ein glückliches Sterben:
„‚Bischof”, bat einer von uns, ‚schenken Sie uns doch einige Worte, die wir unseren Mitbrüdern weitergeben können. Sie werden sie glücklich machen!‘“ Eugen antwortete: „Sagt ihnen, dass ich glücklich sterbe, … dass ich glücklich sterbe darüber, dass der liebe Gott mich für würdig befunden hat, gerade mich zu erwählen, in der Kirche die Kongregation der Oblaten zu gründen.“
Der letzte Herzenswunsch:
Tempier berichtet weiter: „Bischof, bitte teilen Sie uns den letzten Wunsch Ihres Herzens mit.“ Und Eugen schenkte uns diese Sterbeworte: „Übt untereinander die Liebe … die Liebe … die Liebe – und nach außen hin den Eifer für das Heil der Seelen.“
Mögliche Schwerpunkte:
Nächstenliebe und Eifer sind vielgestaltig. Als „Pilger der Hoffnung in Gemeinschaft“ sind wir herausgefordert, diese Nächstenliebe und den Eifer zu verkörpern, indem wir weiterhin die Schritte gehen, die wir auf unserem letzten Generalkapitel als die richtigen erkannt haben: die Erneuerung des Gemeinschaftslebens, die Bildung interkultureller Kommunitäten, eine qualitativ hochwertige Ausbildung, die Berufungspastoral, synodale Leitung, die Suche nach neuen apostolischen Aufgaben, die Umstrukturierung der Einheiten sowie die Zusammenlegung von Ausbildungshäusern. Dies sind einige der Schwerpunkte, auf die wir uns ganz konkret konzentrieren könnten, um in unserem Leben und unserer Sendung als Oblaten voranzuschreiten.
200 Jahre Leben:
Während wir das 200-jährige Bestehen unserer Kongregation feiern, stehen wir an einem Scheideweg, der neue Herausforderungen mit sich bringt – Herausforderungen, die kreative, zeitgemäße und stärker auf Zusammenarbeit basierende Antworten erfordern. Lasst uns auf die Zeichen der Zeit hören und uns mit großer Liebe und brennendem Eifer der Evangelisierung der Armen widmen. Lasst uns den mutigen Schritt wagen, zu den Armen und den Verlassensten zu gehen und - falls erforderlich - unsere Präsenz dorthin zu verlagern, wo die Not am größten ist.
Lasst uns nicht aufgeben:
Lasst uns nicht aufgeben! Die Anstrengungen, die wir bisher unternommen haben, sollten uns neue Kraft verleihen, voller Mut, Engagement und Entschlossenheit voranzuschreiten und noch mehr zu bewirken.
Möge unser heiliger Stifter an Gottes Thron für uns beten!
Ein frohes Fest Euch allen!
Eugene Benedict OMI
Generalrat für die Region Asien-Ozeanien